Richard Gietz · Albrecht K. Kaiser · Ralf Kastner
D.O.-Thesis aus dem Jahr 2003
Im Rahmen einer D.O.-Thesis an der Akademie für Osteopathie untersuchten Richard Gietz, Albrecht K. Kaiser und Ralf Kastner im Jahr 2003 die osteopathische Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Spätfolgen eines Schleudertraumas.
Die Untersuchung wurde im sogenannten Waiting-list-Design durchgeführt. Von 42 aufgenommenen Personen nahmen 39 am Follow-up teil. Nach einer sechswöchigen Wartephase erhielten die Teilnehmenden innerhalb von sechs Wochen fünf osteopathische Behandlungen.
Wissenschaftliche Einordnung
Die nachfolgend dokumentierten Ergebnisse stammen aus einer Untersuchung des Jahres 2003 mit einer kleinen Teilnehmerzahl und einem Waiting-list-Design.
Bei diesem Studiendesign werden Veränderungen während einer Wartephase mit Veränderungen während einer anschließenden Behandlungsphase verglichen. Eine solche Untersuchung kann Hinweise auf mögliche Zusammenhänge liefern, erlaubt jedoch keinen zuverlässigen Nachweis, dass beobachtete Verbesserungen durch die osteopathische Behandlung verursacht wurden.
Insbesondere fehlte eine Vergleichsgruppe mit einer Scheinbehandlung oder einer anderen geeigneten Kontrollintervention. Deshalb lassen sich unspezifische Behandlungseffekte, Erwartungen der Teilnehmenden und andere Einflussfaktoren nicht ausreichend voneinander unterscheiden.
Die angegebenen prozentualen Veränderungen beschreiben die Ergebnisse dieser konkreten Untersuchung. Sie sind weder als allgemeine Erfolgsquoten noch als Vorhersage individueller Behandlungsergebnisse zu verstehen.
Aus der Studie lässt sich kein hinreichender wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis der Osteopathie zur Behandlung von Spätfolgen eines Schleudertraumas ableiten.
Die folgende Darstellung dokumentiert die damalige Untersuchung und die von ihren Autoren berichteten Ergebnisse. Sie stellt keine aktuelle Behandlungsempfehlung dar.
Studienabstract aus dem Jahr 2003
Studienziel
Zu prüfen ist die Hypothese, ob sich durch die osteopathische Behandlung die allgemeine Lebensqualität von Patienten, die an den Spätfolgen eines Schleudertraumas (Late whiplash syndrome) leiden, verbessern lässt.
Studiendesign
Kontrollierte klinische Interventionsstudie im Waiting-list-Design.
Einzugsgebiete
Köln, Bonn, Oberstaufen, Zürich.
Probanden
Gesucht wurden Personen im Alter zwischen 18 und 55 Jahren, die an den Spätfolgen eines Schleudertraumas leiden, das durch einen Autounfall mit definiertem Heckaufprall verursacht wurde.
Von 79 Anrufern wurden 42 in die Studie aufgenommen. Drei Personen schieden aus; 39 nahmen am Follow-up teil.
Intervention
Erstbefragung, nach sechs Wochen Wartezeit Beginn einer sechswöchigen Interventionsphase mit fünf osteopathischen Behandlungen von jeweils 40 bis 60 Minuten im Abstand von ungefähr einer Woche. Die Interventionsphase endete mit einer Schlussuntersuchung und -befragung.
Zielparameter
Hauptzielparameter:
- Allgemeine Lebensqualität anhand der körperlichen und psychischen Summenskalen des SF-36.
- Nackenschmerzbezogene Lebensqualität anhand der Neck Pain and Disability Scale (NPAD).
Nebenzielparameter:
- Subjektiv empfundener Schmerz und Stress anhand visueller Analogskalen und Tagebücher.
- Posttraumatische Belastungsreaktionen (DIPS).
Die Fragebögen wurden vor und nach der Wartezeit sowie beim Follow-up erhoben.
Ergebnisse
Die Autoren berichteten, dass sich bei den untersuchten Zielparametern während der Interventionsphase im Vergleich zur vorangegangenen sechswöchigen Wartezeit statistisch signifikante Veränderungen zeigten.
Für die nackenschmerzbezogene Lebensqualität wurde eine durchschnittliche Verbesserung um 41 % angegeben. Für die körperliche Dimension der allgemeinen Lebensqualität berichteten die Autoren eine Verbesserung um 13 %.
Bei der psychischen Dimension der allgemeinen Lebensqualität wurden unterschiedliche Veränderungen bei Teilnehmenden mit und ohne diagnostizierte posttraumatische Belastungsreaktion beschrieben.
Diese Angaben geben die Ergebnisse der damaligen Untersuchung wieder. Aufgrund des Studiendesigns lässt sich daraus nicht zuverlässig ableiten, in welchem Umfang die Veränderungen ursächlich auf die osteopathische Behandlung zurückzuführen waren.
Fazit der Autoren aus dem Jahr 2003
Die Autoren interpretierten die beobachteten Veränderungen damals als Hinweis darauf, dass osteopathische Behandlungen eine ergänzende Rolle bei den untersuchten Patientinnen und Patienten spielen könnten.